Natursteig Sieg Etappe 9 - Die legendäre Liebeskanzlei

Nach einer schönen und angenehm warmen Wanderwoche in Spanien (der Wanderbericht folgt noch) zog es mich wieder auf den Natursteig Sieg.

Diesmal stand die 9. Etappe von Au (Sieg) nach Wissen auf dem Programm. Da Martina immer noch mit Knieproblemen zu kämpfen hatte, war ich heute mal wieder alleine unterwegs.

Mein Auto parkte ich direkt am Bahnhof in Au (Sieg). Wie bei allen Etappen des Natursteigs Sieg kommt man nach der Wanderung bequem mit der Bahn wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Was ich allerdings ein wenig unterschätzt hatte, war das eisige Wetter. Zwar zeigte sich die Sonne von ihrer schönsten Seite, doch die Temperaturen lagen knapp unter dem Gefrierpunkt. Leider hatte ich mich auf diese winterlichen Temperaturen nicht ausreichend eingestellt und war dementsprechend etwas zu dünn angezogen. Das sollte ich im Laufe der Wanderung noch zu spüren bekommen.

Ich war heilfroh, dass es zumindest windstill war. Trotzdem kroch die Kälte langsam durch meinen ganzen Körper. Gut, dass ich wenigstens an meine Handschuhe gedacht hatte!

Ein knackiger Aufstieg führte mich hinauf unter das dichte Blätterdach des Waldes. Die Anstrengung ließ mich zumindest für einen Moment die eisigen Temperaturen vergessen. Und was mich dort oben erwartete, war eine wunderschöne Belohnung: ein traumhafter Herbstwald, der im warmen Licht der tief stehenden Sonne golden schimmerte.

Überall lösten sich bunte Blätter von den Ästen und segelten langsam zu Boden. Dort gesellten sie sich zu einem bereits dichten Teppich aus Herbstlaub, der den Waldboden in ein farbenfrohes Meer aus Gold, Rot und Braun verwandelte. Ein Anblick, bei dem ich mehrfach die Wanderung unterbrach und den Moment genoß.

Auch die Tierwelt schien an diesem Morgen bereits recht munter unterwegs zu sein. Zunächst kreuzte ein Fuchs meinen Weg, wenig später verschwand ein Reh mit einem lauten Bellen im schützenden Wald. Zwei schöne Begegnungen, die ich immer wieder sehr genieße.

Kurz darauf lichteten sich die Bäume und der Wald gab den Blick auf ein weitläufiges Hochplateau oberhalb von Opperzau frei. Von hier aus eröffnete sich mir ein herrlicher Ausblick über das Siegtal.

Erneut führte mich der Weg durch ein wunderschönes Waldstück hinauf nach Dünebusch.

Dabei wurde mir einmal mehr bewusst, dass es nicht immer die großen Aussichten oder spektakulären Sehenswürdigkeiten sein müssen, die eine Wanderung besonders machen. Wer mit offenen Augen durch den Wald streift, entdeckt oft gerade am Wegesrand die kleinen Schätze der Natur, die man sonst leicht übersieht.

Kurz vor dem Ort Bitzen zweigt der Wanderweg ab und führt hinunter zum Aussichtspunkt Kanzelsley, der auch unter dem Namen Liebeskanzel bekannt ist.

Ein wunderschöner Platz, der mich mit einem weiten Blick über das Siegtal belohnt.

Ab hier empfand ich die Wegführung allerdings als etwas irritierend. Immer wieder geht es über breite Wiesenwege in den Ort hinein und wenig später wieder hinaus.

Nachdem man Bitzen zunächst verlassen hat, führt die Route kurze Zeit später erneut durch den kleinen Ort. Bitzen selbst fand ich ausgesprochen idyllisch, allerdings hätte ich mir hier eine etwas direktere und weniger verschlungene Wegeführung gewünscht.

Ein echter Blickfang sind die bunt gestalteten Bänke entlang des Weges. Daneben gibt es mit alten landwirtschaftlichen Gerätschaften auch ein wenig Kulturgeschichte zu entdecken.

Nachdem ich Bitzen nun endgültig hinter mir gelassen hatte, ging es steil hinunter zum Holperbach.

Über einige gut begehbare Steine lässt sich der Bach problemlos überqueren. Bei Hochwasser dürfte das allerdings schwierig werden.

In diesem Fall empfiehlt sich ein kleiner Umweg über die Hauptstraße, wo eine Brücke auf die andere Seite führt.

Wenige Kilometer später endet die eigentliche neunte Etappe des Natursteigs Sieg.

Von hier führt ein etwa 4,5 Kilometer langer Zuweg direkt zum Bahnhof nach Wissen. Zu meiner positiven Überraschung verlief auch dieser Abschnitt keineswegs eintönig.

Stattdessen warteten noch einmal schöne Waldpassagen und eine reizvolle Strecke entlang der Siegpromenade auf mich.

Fazit:

Die mittelschwere Etappe von Au (Sieg) nach Wissen überzeugt durch abwechslungsreiche Waldlandschaften, idyllische Bachtäler und immer wieder schöne Ausblicke auf das Siegtal.

Ein besonderes Highlight ist zweifellos die Kanzelsley, die mit ihrem herrlichen Panorama zum Verweilen einlädt. Die Strecke verläuft überwiegend auf naturnahen und gut begehbaren Wegen.

Lediglich die etwas verschlungene Wegeführung rund um Bitzen hätte aus meiner Sicht direkter ausfallen können. An der Beschilderung gibt es dagegen nichts auszusetzen – die Markierungen waren durchgehend gut sichtbar.

Insgesamt ist die neunte Etappe vor allem durch ihre abwechslungsreiche Natur, die schönen Waldabschnitte und die idyllischen Täler geprägt. Eine schöne Wanderung, die mir trotz der eisigen Temperaturen und einiger kleiner Kritikpunkte gut gefallen hat.